
Fotos: CJD Chemnitz
Im Februar 1906 bestätigte der Gemeinderat die Empfehlungen des Bauausschusses, ein neues Verwaltungsgebäude mit Ratskellerwirtschaft und Posthalterei zu errichten. Für das Thalheimer Vorhaben konnte der Architekt Ernst Beier aus Chemnitz interessiert werden. Gleich der erste Entwurf gefiel den Gemeinderäten, obgleich einem von ihnen die Wuchtigkeit des künftigen Rathauses an den von Dr. Paul Wallot erbauten Berliner Reichstag erinnerte, welches für Thalheim als zu "klotzig" sei.
Dieser Vergleich mag dem Umstand geschuldet sein, daß Beier Schüler in der Meisterklasse von Wallot an der Akademie der bildenden Künste Dresden war. Thalheim kam somit, nach der Kirche, zu einem zweiten stattlichen Gebäude, das die Ortsansicht prägt und inzwischen unter Denkmalschutz steht.
Das attraktive Rathaus, dem der Rochlitzer Porphyr vor allem außen und Elemente des Jugendstiles innen das Gepräge geben, war für dörfliche Verhältnisse etwas reichlich bemessen, nach der Verleihung des Stadtrechtes 1925 aber standesgemäß, zumal fast ein ganzer Flügel nur Wohnzwecken diente.
Kleinod ist seit eh und je der Ratssaal mit seinen bleiverglasten Fenstern, deren Schwarzlotmalerei farblich, wie auch symbolisch, Motive der Infrastruktur und Weltoffenheit repräsentieren.
Die freigelegte und aufgearbeitete Kassettendecke sowie die in Kammerzugtechnik gestalteten Wände ergeben mit weiteren Details (Säulen, Leuchter, Gemälde) einen wahrhaft ehrwürdigen Raum, in dem Ratssitzungen, Eheschließungen und kleine Konzerte stattfinden.
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